St. Nikolaus

Heute nehme ich Euch mit auf eine Reise in die Türkei: Nach Patara südwestlich von Antalya am Mittelmeer. Dort ist Nikolaus im Jahr 270 geboren. Hat er Euch schon Euren Stiefel gefüllt? Oder stellt Ihr ihn erst an seinem Gedenktag, dem 6. Dezember, heraus? In Europa ist er einer der bekanntesten Heiligen, denn als Kinderfreund beschenkt er Kleine und Große traditionell mit Äpfeln oder Orangen, Nüssen und Mandeln. Heute auch mehr mit Schokolade oder sogar mit Spielzeug. Der heilige Nikolaus ist keine mythologische Figur wie der Weihnachtsmann. Nikolaus ist eine historische Gestalt. Als seine reichen Eltern an der Pest starben, erbte er ein großes Vermögen. Er tat damit viel Gutes. Eine Legende erzählt, dass er drei Töchter eines armen Vaters vor der Prostitution bewahrte. Er warf jeweils einen Goldklumpen in die Strümpfe der Töchter, die zum Trocknen am Fenster aufgehängt waren. Später wurde er Bischof in der Stadt Myra. Heute ist das eine türkische Kleinstadt namens Demre.

Geschichtliches ist nicht viel von ihm überliefert. Er soll ein streitbarer Mann für seinen Glauben gewesen sein. Auf dem ersten Konzil zu Nicäa 325 stritt er gegen den Arianismus. Als Bischof von Myra ließ er den Tempel der Diana, die Patronin der Seefahrer, in der Stadt zerstören. Letztendlich wurde er selbst von den Seefahrern zu ihrem Schutzpatron erkoren. Damit sind wir schon bei den Legenden um ihn. Die erzählen mehr darüber, warum Nikolaus zu einem „Weihnachtsmenschen“ wurde. Er stillte auf einem Schiff in Seenot den Sturm, er bewahrte die Kinder seiner Stadt davor, als Sklaven von Seeräubern verkauft zu werden, weil er ihr Beiboot mit dem Kirchenschatz vollends füllte. Er bewahrte seine Bürger vor dem Verhungern, weil er es durch geschicktes Verhandeln und Gottvertrauen schaffte, dass die Getreidehändler 100 Scheffel von jedem Schiff ihrer für den Kaiser bestimmte Getreideladung ihm übergaben. Durch sein Gebet fehlte bei der Entladung in Byzanz nichts. Doch Nikolaus konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Menschenfreundlich ist Nikolaus. Hilfsbereit mit einem Herzen Kindern und Hilfsbedürftigen gegenüber bis in unsere Tage. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“, sagt Jesus (Lukas 6,36). So hat Nikolaus gelebt. Er weist uns darauf hin, was für Jesus Christus wichtig ist. Ist es nicht gut, dass es bis heute viele Nikolaus-Menschen gibt, die als Bischof verkleidet Kinder beschenken oder die einfach helfen, wo Menschen Hilfe brauchen?

Bingo: In den Unmengen von Nikolausfiguren, die eigentlich Weihnachtsmänner sind, habe ich im Kaufland einen „echten“ Nikolaus entdeckt als Bischof: liturgische Kleidung, eine Mitra (Bischofshut), den Bischofsstab und die Bibel in der Hand.

Inzwischen gibt es sogar ein türkisches Pendant zum heiligen Nikolaus: „Noel Baba“ , liebevoll der Vater der Weihnacht genannt. Er bringt muslimischen Kindern in Istanbul, Izmir, Antalya und sogar im Ruhrgebiet Geschenke, aber erst zu Silvester, denn mit Weihnachten wollen Muslime nichts zu tun haben.

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