Smog, Stau, heilige Kühe

Vorabdruck des Artikels „Mail aus Delhi“, der in der Märzausgabe des Magazins „Chrismon“ erscheinen wird.

Diese Stichworte fielen mir ein, als ich gefragt wurde, in der Gemeinde Nordindien auszuhelfen. Nach einem herrlichen Herbst hörte der Monsun auf und die Reisbauern begannen die Felder abzubrennen. Der Verkehr tat das Seinige dazu. Das Ergebnis konnten wir beim Besuch von Kanzlerin Merkel in Delhi sehen. Tapfer hielt sie die Parade ohne Schutzmaske in der verdreckten Luft aus. Jeden Morgen kurz nach 6 Uhr hustet sich der alte Hausdiener unter uns die Lunge frei. Wir schützen uns mit Tabletten und Luftreiniger.

Es lässt sich leben in dieser 20 Millionen Megacity. Wir wohnen in Neu-Delhi, einst angelegt durch die Briten mit breiten Straßen, Wohnvierteln und Parks dazwischen. Morgens und abends trabt „unsere“ Herde Kühe durch die Straße. Ein großer Teil unserer Gemeinde wohnt hier: Botschaftsangehörige und Mitarbeitende verschiedener Organisationen zusammen mit indischen Familien, die zum Mittelstand gehören, Zeichen für den Wohlstand Indiens. Doch auf dem Weg zur Schule: Familien, die an der Kreuzung unter der Hochstraße „wohnen“ und bei Rot Luftballons verkaufen, notdürftig gezimmerte Hütten an der Straße und überall Dreck. Die schmutzige Kehrseite der Stadt.

Abenteuer Verkehr

Die Hupe warnt nicht, sie dient der Kommunikation: Lass mich mal vorbei, auch wenn der Vordermann nicht weiterkommt. Hupen an der Kreuzung: Achtung, ich biege ein. Volkswagen musste in den Polo für Indien eine langlebige Hupe einbauen. Die europäische Ausgabe hätte nicht lange gehalten. Im Stau kommt der Frechste am besten voran. Vorfahrtsregeln? Ich zuerst.

Indien ist auf der Suche nach seiner Identität.

Die Regierungspartei will einen hinduistischen Staat. Übergriffe von radikalen Hindus auf moslemische und christliche Minderheiten vergiften das Klima. Energische Proteste in dieser multikulturellen und multireligiösen Republik sind die Folgen. Der indische Christenrat hat Straßenfußball mit Gruppen initiiert, die aus Jungen und Mädchen, aus Jugendlichen anderer Religionen und Ethnien bestehen müssen. So könnte Frieden im Spiel entstehen.

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