Partnersuche in Indien

Eine Liebesheirat in Indien – schon immer eine Seltenheit trotz Bollywood. Zumindest ist in den ländlichen Familien und in den wohlhabenden Familien der Städte die arrangierte Heirat angesagt. Wenn ein Kind seine Partnerin oder seinen Partner selbst aussucht, gilt dies immer noch als respektlos. Immerhin kommen hier zwei Familien zusammen. Schließlich führen die Eltern ihre Erfahrung und Weisheit ins Feld, wenn es um die Lösung dieser recht delikaten Aufgabe geht, vor allem dann, wenn viel Vermögen im Spiel ist, räsoniert Detektiv Vish Puri in Tarquin Halls erstem Krimi „Die verschwundene Dienerin“. Was in alten Zeiten in Europa eine „standesgemäße Heirat“ war, kommt in die Nähe der Tradition, die bis heute in Indien selbstverständlich ist.

In der Sunday Times of India habe ich eine Annoncenseite entdeckt, in der Bräute und Bräutigame gesucht werden. Offiziell gibt es kein Kastensystem mehr. Doch auf dieser Seite wird sehr wohl noch in Kasten gedacht. Vor allem Brahmanen legen Wert auf Partner derselben Kaste oder Unterkaste. Bei gesuchten Bräutigamen stehen neben Brahmanen auch Agarwals, die Händler, heute sind es Geschäftsleute, hoch im Kurs. Doch die Kategorien sind inzwischen differenzierter. Bei Berufen sind Ingenieure gefragt, aber auch das Angebot eines Friseurs (Barber) . Auch die Religion spielt eine wichtige Rolle: Hindu-, muslimische und Sikh-Familien suchen die passende Braut für ihren Sohn. Doch ist es tröstlich, dass es auch zwei Anfragen unter „Kosmopolitisch“ gibt.

In dem multikulturellen Superstaat Indien hat die Sprache als Kategorie große Bedeutung: Bräute, die aus Bengalen ganz im Osten, aus dem Punjab im Norden und aus den Tamil-Staaten im Süden kommen, sollen sich mit ihren künftigen Männern in ihrer Muttersprache verständigen können. Anfragen kommen nicht nur aus Indien. Vor allem für Männer, die in Singapur oder den USA arbeiten, suchen ihre Familien geeignete Frauen aus der Heimat.

Wo kommen Christen vor? habe ich mich gefragt. Ich fand sie bei gesuchten „Elite Bräutigamen“. Von fünf Suchanzeigen waren drei aus christlichen Familien! Na also!

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