Lockdown 4.0

Herta und ich sind nun seit acht Wochen im Lockdown: Zu Hause bleiben – Home-Office – einmal die Woche einkaufen gehen – sonst abendliches Bewegen auf der Dachterrasse. So schaffen wir doch immer wieder unsere 10.000 Schritte, zu dem uns unsere Versa Uhren motivieren. Wir beobachten den Flug der Papageien ins Nachtquartier, die majestätischen Segler, den schwirrenden Taubenschwarm und die krächzenden Raben in den Bäumen. Einmal zeigte sich ein Affe auf dem Nachbardach, der sich behäbig kraulte. Wir staunen über die Bäume in unserer Nachbarschaft, die im Frühjahr ihre weißen, gelben lila und grellroten Blüten entfalten. Hätten wir das ohne Lockdown genossen?

Gemüse und Obst gibt’s beim Straßenhändler am Eingangstor. Die Haare wachsen, da und dort mal selbst geschnippelt. Immerhin: Wir sind gesund und doch ganz vergnügt. Wir diskutieren über den Speiseplan und beginnen unseren Abschied von Indien zu organisieren. Wann? Da ist noch vieles offen. Lufthansa fliegt erst ab 15. Juni. Am 4. Juni wollten wir eigentlich zurückfliegen.

Die Zentralregierung hat nun den Lockdown 4.0 bis zum 31. Mai verkündet. Die einzelnen Regelungen hat sie den einzelnen Staaten überlassen. Doch für uns bedeutet das weiterhin: Über 65 Jährige dürfen nicht raus außer zu ganz dringenden Anlässen. Gottesdienste sind weiterhin verboten. Das bedeutet: Kein Abschiedsgottesdienst live zum Pfingsten (31. Mai). Gerade habe ich ein grüngelbes Tuktuk fahren sehen. Uber darf noch nicht, ist aber dabei, die Fahrer für die Zeit der Fahrten unter Covid 19 zu instruieren. Die Metro bleibt weiterhin zu. Keine Inland- und Internationale Flüge. Air India hat unter staatlicher Leitung ein Rückholprogramm für Inder im Ausland gestartet. Einige Züge bringen die Wanderarbeiter in ihre Heimatstaaten. Inzwischen sind von ihnen 119 auf ihren Fußmärschen über Hunderte von Kilometern gestorben.

Hier einige Zahlen

Zum 18. Mai sind in Indien 96.169 Menschen infiziert worden. 3.029 Tote sind zu beklagen. 36.824 Menschen sind genesen. Die Zahl der Verstorbenen ist am Wochenende überproportional gestiegen. Auch die Übertragungsrate ist in den einzelnen Staaten noch deutlich über 1,0 (insgesamt 1,29). Punjab hat 1,32, Andhra Pradesh hat mit 3,47 pro tausend Einwohner den höchsten Wert in Indien. Indien ist also noch lange nicht über dem Berg des Übertragungsrisikos.

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