Endzeit

Corona-Pandemie

Nicht nur unsere Zeit in Delhi geht hoffentlich bald zu Ende. Die Zeichen in Delhi stehen auf „Endzeit“. Millionen Inder sind geplagt von den Auswirkungen der Corona Pandemie. Die wenigsten, weil sie selbst erkrankt sind oder einen Verstorbenen betrauern. Die Meisten, weil sie Arbeit und damit Lohn und Brot verloren haben. Hunderte Millionen Tagelöhner, Fabrikarbeiter und Straßenverkäufer quetschten sich in die letzten Züge in ihre Heimatstaaten. Als die nicht mehr fuhren, liefen sie zum Teil Hunderte Kilometer zu Fuß, um in ihre Dörfer zu kommen. Viele starben vor Hunger oder Erschöpfung, bis der Staat sie versuchte zu stoppen und in leerstehende Schulen und Fabrikhallen festzuhalten und zu versorgen, damit sie das Virus nicht aufs Land mitschleppen. Inzwischen ist offen, ob mehr Menschen dort und in den riesigen Slums von Mumbai, Kalkutta und Delhi an Hunger gestorben sind als an Covid 19.

Menschen versuchen noch einen Zug zu erwischen.

Heuschrecken

Als ob diese Plage nicht genug wäre: Im Mai überfielen plötzlich Riesenschwärme von Millionen Heuschrecken aus Pakistan die indischen Wüstenstaaten Rajastan und Madya Pradesh im Nordwesten und fraßen alles kahl, was sie an Grünem fanden. In der WhatsApp-Gruppe unserer Swagat-Frauen (deutsche Frauen, die mit indischen Männern verheiratet sind oder waren) wurde anlässlich der Heuschreckenplage schon von den biblischen Plagen gesprochen. Die Delhi-Region haben sie Gott sei Dank ausgeklammert.

Heuschrecken fressen alles kahl. (Foto: Welthungerhilfe)

Erdbeben

Die schlimmste Plage jedoch dürfte noch ausstehen. Delhi erwartet ein großes Erdbeben. Seit eineinhalb Monaten schon rumort die Erde unter Groß Delhi mit kleineren Beben. Ende Mai spürten wir ein Erdbeben mit 4,6 Grad Stärke auf der Richter-Skala. Unsere Stühle schwankten, auf denen wir saßen. Die Seismologen des Himalaya Instituts empfehlen, ein Notfall-Kit bereitzulegen. Denn sie erwarten ein Beben mit Werten von 6 bis über 8 der Richterskala und prophezeien, dass dann die meisten Häuser Delhis zu Staub zerfallen würden, weil sie alle nicht erdbebensicher gebaut seien.
Dies ist keine leere Drohung. Am 25. April 2015 ereilte Kathmandu in Nepal das gleiche Schicksal. Ein Beben von 7,8 auf der Richterskala, das stärkste Beben seit 80 Jahren, löste eine Katastrophe aus mit knapp 8800 Toten, mehr als 20 000 Verletzten, etwa 800 000 eingestürzten Häusern. Deshalb mache ich mir wirklich große Sorgen. Unser Notfallkoffer steht gepackt bereit.

Endzeit

Zeit, in der Altes zerbricht und zu Ende geht, damit Neues wachsen kann. Wird in Indien aus diesen Plagen Neues wachsen: Die Tagelöhner besser entlohnt und abgesichert, die Bettlerkinder and den Straßenkreuzungen beschult, die medizinische Versorgung verbessert , die Slums kultiviert und die Häuser erdbebensicher gebaut? Wenn Modis Regierung in wenigen Jahren geschafft hat, sichere Toiletten in den Dörfern zu installieren und Gasherde statt luftverschmutzende Holzfeuer zum Kochen bereitzustellen – warum sollte nicht auch dies gelingen? Oder sind die Kastenschranken und die hinduistische Mentalität immer noch ein Hindernis, das anzupacken, was unbedingt nötig ist: die Lebensbedingungen aller Menschen zu verbessern, hier und jetzt und nicht erst im nächsten Leben? Die 2.3 Prozent Angehörigen der christlichen Kirchen arbeiten daran.

Schweigemarsch 2016 gegen Diskriminierung von christlichen und muslimischen Kastenlosen (Foto NCCI)
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