Die neue Jahreslosung provoziert

Foto: Wolfgang K. Leuschner

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. (Johannes 6, 37)

„Die neue Jahreslosung  ist geprägt von der Willkommenskultur Gottes. … Gott wird mich nicht abweisen. Aber eben auch den anderen Menschen nicht, den ich nicht annehmen kann.
Wer zu Jesus kommt, wird willkommen geheißen, jede und jeder. Nicht nur die Klugen oder die Frommen, die Anständigen oder die Erfolgreichen. Wer zu ihm kommt, ist willkommen.“
Diese Sätze entnahm ich aus dem Geleitwort zu der neuen Ausgabe der Herrnhuter Losungen. So nett und sanft sich das anhört: Für uns sind zwei Reizworte darin.

Willkommenskultur:

Nicht nur in Mitteleuropa, auch in Pattaya ist nach wie vor eine Willkommenskultur, die auch Flüchtlinge willkommen heißt, in unserer deutschsprachigen Gemeinschaft umstritten. Gewiss: Diese Menschen kommen aus einem anderen kulturellen Hintergrund, sie leben zumeist einen anderen Glauben, sind oft Fachkräfte, aber haben als Hilfeempfänger bei uns einen niederen sozialen Status, sprechen nicht unsere Sprache.

Nicht abweisen heißt: Ihnen Menschenwürde nicht absprechen, ihre Gründe verstehen lernen, warum sie hier sind, ihre oft traumatischen Erfahrungen wahrnehmen, ihnen ermöglichen, Fuß zu fassen in einer ihnen unbekannten Umwelt, Abschied nehmen helfen von ihren unrealistischen Träumen eines Schlaraffenlandes Europa, sie konfrontieren mit ihrem Hass, Ärger und Wertvorstellungen, die zu uns nicht passen, ausbilden, Arbeit ermöglichen, die ihnen Würde gibt und unserer Gesellschaft Wertschöpfung.

Jeder und jede:

Gegenwärtig ist die Willkommenskultur unseres Begegnungszentrums bis zum Zerreißen gespannt. Das hängt mit den Corona-Regeln zusammen und mit dem grenzwertigen Verhalten einiger von uns. Für mich ist das weitherzige Angebot von Jesus Christus eine große Herausforderung an uns, zu zeigen, was und wie wir glauben.

Wer zu mir kommt:

Jesus zwingt niemanden. Es ist meine Entscheidung, in die Beziehung mit Jesus einzutreten. In dieser Beziehung kann ich nicht machen, was ich will. Ich lerne Jesu Rahmenbedingungen kennen, lerne seine Liebe zu mir kennen und mache meine eigenen Erfahrungen mit seiner Liebe in anderen Beziehungen. Wenn ich mich daneben benehme, schmeißt mich Jesus nicht raus, sondern er konfrontiert mich mit meinem Fehlverhalten. Wenn ich von ihm weg gehen will, lässt er mich gehen. Aber er wird mich nicht abweisen, wenn ich wieder zu ihm komme.

Merkwürdiger Jesus. Ganz anders als wir – in manchen Dingen. Und doch ein Teil von uns. Ein wichtiger, der uns leben und lieben lehrt.

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