Die heiligen Kühe in Delhi

Die heiligen Kühe in Delhi faszinieren mich. Jeden Morgen gegen halb Acht und jeden Abend gegen halb Sechs traben sie an unserem Haus vorbei. Eines Abends bin ich den elf Kühen nachgegangen. Ich wollte wissen, wo ihr Nachtlager ist und wie sie mit dem Verkehr zurecht kommen. Aus unserer Wohnstraße biegen sie in die belebte Poorvi Marg ein. Abenteuerlich war die Überquerung der großen Kreuzung an der Ring Road. Die zwei letzten Kühe hielten zusammen und zogen ausgerechnet dann los, als ihre Straße Rot sah und die Ring Road Grün bekam. Die sonst sehr aggressiven und hupenden indischen Fahrer warteten geduldig, bis die beiden Heiligen den Weg frei gemacht hatten. Eine schwarze mit mächtigen Hörnern ist die Leitkuh. Ab und zu hält sie an, sieht hinter sich und muht die anderen herbei. Ganz zum Schluss kämpft sich eine graue durch die Straßen mit einem Huf, der ihr offensichtlich weh tut und einem Bein, das sie nachzieht.

Ab und an bekommen sie einen Eimer Wasser hingestellt. Andere bringen eine Tüte Gemüse zum Fressen mit. Auf einem Mahlstein an einem Markt lag Heu bereit. Dort begrüßte ein alter Bulle die Herde und schnüffelte schon etwas müde an einer Kuh. Schließlich biegt die Herde in Puram in eine Nebenstraße ab und zieht bis in eine dunkle Ecke, in der der Restmüll in einem gemauerten Geviert gelagert wird. Was fressbar ist, wird dankbar von den Tieren herausgeholt. Hier lagern sich die heiligen Kühe im Dunkel bis zum nächsten Morgen. Von uns aus hatten sie drei Kilometer zurückgelegt. Nächstens will ich mal morgens zu ihrem Tagesaufenthalt mitgehen. Hier zeige ich Euch noch ein Video: Die Kühe im Verkehr.

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