Coronavirus in Indien

Zunächst die Fakten von heute, 17. März: Indien meldet derzeit 114 offiziell positiv infizierte Personen. Insgesamt waren es bisher 125 incl. der bereits Genesenen. Drei Menschen sind gestorben. Der erste ein Mann in Karnataka, die zweite war eine Frau in Delhi und heute wurde ein 64 Jahre alter Mann gemeldet, der aus Dubai kam. Die meisten Infizierten gibt es im Staat Maharashtra mit Mumbai und Pune als bekannte Wirtschaftszentren.

Indien hat sehr früh zu restriktiven Maßnahmen gegriffen. Bereits erteilte Touristen- Business- und Journalistenvisa sind seit dem 13. März ungültig geworden. Dies gilt bis 15. April. Das hat bei uns zur Folge, dass die geplanten Besuche aus Deutschland nicht mehr möglich sind. Tochter Eva mit Familie wollte uns letzten Freitag für eine Woche aus Singapur besuchen. Auch dies ist nicht möglich gewesen. Wir hatten uns auf diese Besuche sehr gefreut.

Stv. Botschafter Kochanke, Regionalarzt Dr. Klinnert und Schulleiter Antacido (von links) auf der Veranstaltung der Schule zur Coronavirus-Krise am 11. März.

Inzwischen schottet sich auch Indien nach außen ab. Alle Passagiere aus den EU-Staaten, Groß-Britannien, der Türkei, aus den Ländern des Mittleren Ostens, aus Iran und jetzt auch aus Afghanistan, den Philippinen und Malaysia dürfen nicht mehr einreisen. Die einzelnen Staaten haben verfügt, dass Theater, Kinos, Swimming Pools, Fitness-Zentren, Malls und religiöse Einrichtungen (Tempel, Kirchen) geschlossen sind. Seit heute können auch das berühmte Taj Mahal und alle Museen nicht mehr besucht werden. Falsche Informationen über das Coronavirus wird unter Strafe gestellt. Wir wohnen in der Nähe des Flughafens. Sonst sind immer entweder startende oder landende Flugzeuge zu hören und zu sehen, je nach Windrichtung. Seit heute ist es erstaunlich still. Der Flugbetrieb muss nahezu eingestellt worden sein.

Was bedeutet das für uns?

Für unsere Arbeit in Indien hat dies folgenreiche Auswirkungen. Alle meine geplanten Besuche zu den Außenorten Mumbai und Pune Ende März, Kathmandu in Nepal Anfang April und Dhaka in Bangladesch sowie Kolkata in Westbengalen Mitte April musste ich schweren Herzens streichen. Unseren letzten Gottesdienst feierten wir als Weltgebetstags-Gottesdienst vergangenen Sonntag. Nun sind auch in Delhi Gottesdienste und Veranstaltungen gestrichen. Die Deutsche Botschaftsschule hat ihren Unterricht eingestellt und stellt auf E-Learning um, damit die Schüler*innen zu Hause unterrichtet werden können. Wir bleiben zu Hause. Herta fährt mit Natascha, die ein Auto hat, das Nötigste einkaufen. Wir gehen allenfalls ein Stück im Park spazieren und halten uns von anderen Menschen zurück. Schließlich gehören wir auch zur Risikogruppe. Diese Maßnahmen dienen wie auch in Deutschland und Europa dazu, die Kurve der Infizierten möglichst flach zu halten, damit die Krankenhäuser noch arbeitsfähig bleiben.

Wie geht es uns dabei?

Letzte Woche war ich sehr niedergeschlagen. Alle meine hoffnungsvollen Pläne, unsere weitverzweigte Auslandsgemeinde weiter nach vorne zu bringen, musste ich stilllegen. Werde ich in den verbleibenden zweieinhalb Monaten überhaupt noch etwas bewegen können? Dann kam der Sonntag mit dem Weltgebetstagsgottesdienst. „Steh auf und geh!“ hieß das Motto, das das Vorbereitungskomitee aus Simbabwe gewählt hatte. Dahinter steht die Auslegung der Geschichte vom Gelähmten am Teich Bethesda. 38 Jahre liegt er da schon, hoffend auf Heilung. Doch im Grunde hat er resigniert. Bis Jesus kommt und ihn fragt: Willst du gesund werden? Da flackert die Hoffnung des gebrechlichen Mannes wieder auf, als Jesus ihm sagt: Steh auf, nimm deine Matte und geh! Und siehe da: Der Mann richtete sich auf und konnte gehen.

Die fetzigen Lieder, die einfühlsamen Gebete und die Frage: Was ist deine Matte? Wo ist der Ort für deine Entschuldigungen, um liegen zu bleiben, obwohl du Heilung suchst? Es geht darum, wie die Frauen aus Simbabwe aufzustehen und etwas tun für die Veränderungen, die Gott anbietet. Seine Matte nehmen als Erinnerung der Heilung und „ganz“ werden: körperlich, geistig, spirituell und zwischenmenschlich. Nachmittags waren wir noch mit Bekannten beim Lunch-Buffet. Da spürte ich vollends, wie meine Niedergeschlagenheit verschwand in der wundervollen Gemeinschaft beim Essen und Trinken.

Gestern hatte ich mit Antje, unserer Kontaktfrau in Pune, ein Telefongespräch und wir entwickelten Ideen, wie wir aus der Not heraus vielleicht mit digitalen Medien unsere Gemeinden bedienen und miteinander vernetzen können als nur durch meine Reisen von Ort zu Ort. Jede Krise birgt neue Chancen. „Steh auf und geh!“ sagt Jesus auch zu uns.

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