Adventskalender

Adventskalender werden immer beliebter. Nicht nur Kinder zählen mit den 24 Türchen die Tage vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend. Auch wir Erwachsenen haben inzwischen Gefallen daran gefunden, jeden Tag ein Türchen zu öffnen und eine Minipraline, Chips oder sogar Miniweinflaschen zu genießen. Seit wann gibt es eigentlich Adventskalender?

Die Geschichte der Adventskalender

Der erste Adventskalender entstand um 1851 und war selbst gebastelt. 24 Bilder wurden nach und nach vorwiegend von evangelischen Familien an die Wand gehängt. Die Kalender waren Zählhilfen, um die Zeit bis Weihnachten zu messen. Die ersten gedruckten Kalender gab es seit 1902. Die Evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler gab einen Adventskalender als Weihnachtsuhr für Kinder heraus. Auch Kalender zum Ausschneiden von Bildern und zum Basteln erschienen mit überwiegend christlichen Motiven.

In den 1920er Jahren wurden die Adventskalender profaner gestaltet . Es war eine Blütezeit der gedruckten Kalender, gestaltet von Kinderbuchautoren, Plakatkünstlern und Gestaltern von Malbüchern und Kinderspielen. Neben Abreißkalendern entstanden nun Kalender mit 24 Türchen, hinter denen bunte Bilder auf einem zweiten Rückblatt gedruckt waren. Die Lithografische Anstalt Reichhold & Lang in München entwarf nicht nur künstlerisch hochstehende Kalender. Sie war auch die erste, die einen Schokoladen-Adventskalender herstellte: Das Christkindleinshaus zum Füllen mit Schokolade. Das Füllen mussten die Eltern allerdings noch selbst besorgen.

Nach dem II. Weltkrieg wurden bereits 1945 die ersten Adventskalender gedruckt mit süßlichen Motiven aus den Jahren um 1930. Seit 1950 setzten sich die Kalender mit 24 Türchen endgültig durch. Er wurde zum Massenartikel zu einem günstigen Preis und verbreitete sich nun in ganz Deutschland. Manche christlichen Verlage erweiterten die Türchen bis zum Dreikönigstag am 6. Januar.
(Die Ausführungen zur Geschichte des Adventskalenders habe ich dem Wikipedia-Artikel „Adventskalender“ entnommen.)
Inzwischen gibt es Adventskalender in unzähligen Varianten. Ich bin fasziniert von der Kreativität und Einfallskraft von Verlagen, Firmen, aber auch von Kirchengemeinden und Vereinen.

Adventskalender verbinden

Unsere langjährige Freundin Edith aus Frankfurt schickt uns seit Jahrzehnten pünktlich zur Adventszeit eine Adventskalenderkarte mit 24 Türchen. Ganz gleich, ob wir in Deutschland wohnen oder in Singapur, Jakarta, Pattaya oder Delhi: er erreicht uns, immer verbunden mit einem lieben Brief. Beides verbindet uns mit Edith und ihrer Familie und mit einer schönen Tradition, auf Weihnachten zu zählen, ganz gleich, in welchem Kulturkreis wir leben.

Die Adventszeit versüßen

Für unsere Kinder machten wir einen Kalender mit 24 Säckchen, gefüllt mit Süßigkeiten oder auch Spielzeug, um die Wartezeit bis zum Christfest zu verkürzen. Dies ist ein Brauch aus Skandinavien. Ich kann mich erinnern, dass mir meine Mutter ins Krankenhaus jeden Tag ein Päckchen mitbrachte, als ich im Dezember 1960 eine Mandel-OP hatte. Heute haben Herta und ich jeweils einen Kalender mit Minipralinen, die wir beim Frühstück vernaschen.

Auf Weihnachten vorbereiten

In unserer Küche hängt ein großer farbiger Adventskalender von der christlichen Ausbildungshilfe aus Kassel. Meine Kollegin aus Südindien, Dr. Gudrun Löwner hat ihn mit gestaltet und stellt die darin aufgedruckte Batik „Christmas“ des indischen Künstlers Solomon Raj vor. Hinter den Türchen sind Krippenmotive aus verschiedenen Kulturkreisen zu sehen, verbunden mit einer kurzen Information und einem Bibelwort. Seit 1995 bringt der christliche Verlag Andere Zeiten einen Heftkalender „Der andere Advent“ heraus, der dem Kirchenjahr folgt und bis zum Epiphanias Fest geht (6. Januar). Er zeigt mit Bildern und Texten angesichts der Kommerzialisierung der Zeit vor Weihnachten eine andere Sicht auf die Adventszeit.

Krippenadventskalender von der Ausbildungshilfe mit der Batik „Christmas“ von Solomon Raj.

Adventszeit gemeinsam erleben

In meiner Löhnberger Gemeindepfarrer-Zeit lernte ich von der Katholischen Gemeinde der Nachbarstadt Weilburg den „Lebendigen Adventskalender“ kennen. Gemeinsam luden wir Familien, Gruppen und Einzelpersonen ein, für einen Tag im Advent ein Fenster nach einem bestimmten Thema zu gestalten. Wir kamen abends zusammen. Das Fenster wurde enthüllt, wir hörten eine Geschichte zum Thema, sangen ein Lied und nach dem Adventssegen gab es noch Plätzchen und Tee oder auch Glühwein. Ich habe mich sehr gefreut, dass in Drommershausen, eine Gemeinde des Löhnberger Kirchspiels, dieses Jahr die Tradition aufgenommen wurde. An jedem Abend der Adventszeit trifft sich das Dorf vor einem neuen Fenster. Auf Facebook kann ich die wunderbar und liebevoll gestalteten Motive verfolgen. (1) drommershausen – Suchergebnisse | Facebook

Adventszeit online erleben

Durch die Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie wurden das Internet und die sozialen Medien zu wichtigen Motoren für unsere Kommunikation. Pfarrerin Christine Beutler-Lotz, meine ehemalige Kollegin aus der Zeit bei der Circus- und Schaustellerseelsorge, konnte nicht wie üblich, ihren Adventskalender als Heft auf den Weihnachtmärkten in Hessen verteilen. Alle Weihnachtsmärkte wurden abgesagt. Um ihrer reisenden Gemeinde dennoch über diese schwierige Zeit ohne feste Einnahmen hinwegzuhelfen und sie zu begleiten, entwickelte sie einen digitalen Adventskalender, der von Montag nach dem Totensonntag bis zum 23. Dezember geht, dem Zeitraum, in dem üblicherweise die Weihnachtsmärkte geöffnet sind. Vom Gedenken an die Verstorbenen über Quizfragen, spaßigen Geschichten bis zur Information über eine Berufsausbildung für junge Schaustellerinnen und Schausteller ist der Kalender prall gefüllt. Ein hilfreicher Trost in Corona-Zeiten. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland hat einen digitalen Adventskalender veröffentlicht. Mehr dazu: (1) Christine Beutler-Lotz | Facebook

Meine Tochter Eva Arora kann in Singapur ihre Kindermusik, die „Musical Monkeys“ nicht anbieten, weil man in Gruppen, in Schulen und Gottesdiensten wegen Corona nicht singen darf. Dafür hat sie den „Musical Monkeys Adventskalender“ entwickelt. In einer deutschen und einer englischen Version stellt sie für jeden Tag bis Weihnachten ein Musikinstrument vor, lässt im Paradiesgarten ein neues Tier kommen und singt ein Lied. In den letzten Tagen erzählt sie die Weihnachtgeschichte. Eine wunderbare kreative Idee, die ganz bewusst auf den Kern von Weihnachten hinführt: auf die Geburt von Jesus Christus im Stall von Bethlehem. Hier eine Kostprobe:

Viele Wegbegleiter führen uns in der Adventszeit zur Krippe. Ich hoffe, Du hast einen passenden für Dich gefunden. Viel Freude dabei in den letzten Tagen.

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