Abenteuer Quarantäne Tage 8 und 9

Mövenpick Marché Restaurant im Vivocity Singapur

23. September 2021

Das tropisch regnerische Wetter beruhigt sich. Es ist wieder hell und sonnig. Deshalb höre ich, wie zwei Kinder unten im Pool lachen und planschen. Endlich mal Leben in diesem großen Hotelgarten. Wir feiern „Bergfest“. Die Hälfte der Quarantänezeit haben wir geschafft. Doch unsere Hoffnung erfüllt sich nicht. Wir dürfen auch im zweiten Teil unserer Zeit nicht eine Minute mal in den „Hofgang“ nach unten. Vielleicht, weil auch andere Hotelgäste da sind.

24. September 2021

Nach dem Frühstück klopft es. Der Room Service bringt uns ein Paket. Peter J. E. schickt uns eine große Packung Lindor Kugeln aus seiner Schweizer Heimat. Dazu eine blaue Tischdecke mit einem blumig bunten Aufsatz und im Briefumschlag ein langer Brief an die „Pfarrersleut im Un-Ruhezustand“. Darin schreibt er wieder eine besondere Geschichte über den Herrn „Mövenpick“, die man auf Wikipedia nicht finden könne. Der Gründer des Mövenpick-Imperiums ist natürlich ein Schweizer: der Hotelierssohn Ueli Prager. Kurz nach ihrer Hochzeit hatten er und seine Frau die Idee, eine Restaurantkette zu gründen. Kaviar, Lachs, Champagner und andere teure Delikatessen konnten sich damals die „kleinen“ Leute nicht leisten. Und genau solche Luxus-Häppchen und Getränke wollten sie auch für das „gemeine“ Volk möglich machen. Sie hatten aber noch keinen Namen für ihr Unternehmen. Als sie am Ufer des Zürich-Sees spazieren gingen, beobachteten sie die herumfliegenden Möwen und Tauben, wie sie ihr Fressen im eleganten Flug vom Boden aufpickten. Und schon hatten Ueli Prager und seine Frau den Namen für die Restaurants und die spätere Hotelkette gefunden: MÖVENPICK. Am 19. Juli 1948 eröffneten sie das erste Mövenpick-Restaurant, den Claridenhof in Zürich.

Eine weitere lustige Geschichte erzählte Ueli Prager Peter persönlich, als Prager Dozent an der Hotelfachschule war und Peter sein Schüler. Wenn seine Frau und er mal nachts nicht schlafen konnten, „warum, wusste nur der Herrgott“, standen sie selbst am frühen Morgen auf, fuhren zu ihren Restaurants, um zu kontrollieren, ob das Personal auch wirklich alle Lampen ausgeschaltet hatten.  Und wehe, wenn die „Lichter“ leuchteten, dann gab es am nächsten Tag ein „Donnerwetter“. So kann man auch reich werden… Ich selbst kenne so eine Geschichte von dem schwäbischen Erfinder Robert Bosch, dem Gründer des großen Bosch-Elektroimperiums im 19. Jahrhundert. Wenn er durch die Produktionshalle seiner Firma ging und fand eine Schraube am Boden, hob er sie auf und es gab ein „Donnerwetter“ wegen dieser Verschwendung.

Peter erzählte das eher traurige Ende des Mövenpick-Imperiums. Als alles perfekt und gut lief, Hotels eröffnet waren und selbst die „Mövenpick-Ice-Cream“ eines der besten Eisprodukte auf dem Markt war, trennte sich Ueli Prager von seiner Ehefrau. Die jüngere hübsche Sekretärin wurde seine neue Geliebte. Er heiratete sie und machte sie sogar zum CEO seines Imperiums….Leider war diese Frau unfähig, den Laden zu schmeißen. Als Notlösung musste Ueli Prager die Aktienmehrheit seines „Lieblingskindes Mövenpick“ an den bayerischen Bankier und Bierbrauer August von Finck verkaufen. Prager zog sich nach England zurück, hatte als Hobby Pferdezucht und verstarb 1911 mit 95 Jahren. Wie kommt es, dass Männer wegen ihrer Schwäche zu Frauen immer wieder aufs Spiel setzen, was sie erreicht haben?

Es ist Abend. Ich habe endlich mal 5.000 Schritte erreicht, war zum ersten Mal 10 Stunden aktiv und habe 150 Zonenminuten erreicht, mein Wochenziel, zeigt mir mein fitbit-Tracker. Das hört sich vielleicht für Euch blöd an, aber für mich ist die Messung meiner Aktivitäten lebenswichtig, gerade in der Enge dieses Hotelzimmers.

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