3. Oktober einmal nass

Im Ausland ist der Tag der Deutschen Einheit etwas Besonderes. Mehr als in Deutschland ist er eine Möglichkeit, um sich zu vergewissern, wo ich herkomme. Dankbar zu sein für die friedliche Erfolgsgeschichte Deutschlands der letzten 70 Jahre. Dankbar für die Wiedervereinigung der deutschen Länder 1990. Sich der Verantwortung bewusst bleiben, dass auch ich im Ausland für Demokratie, für Menschenrechte, für die Achtung von Minderheiten jeglicher Art gerade stehe.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, im Ausland den Tag der Deutschen Einheit zu feiern. Im Begegnungszentrum in Pattaya hatte ich letztes Jahr zu einer Feierstunde eingeladen. Der Bramburi-Wirt Thomas Seeland hatte heuer am 3. Oktober ein tolles Frühstücksbüffet vorbereitet und sein voll besetztes Restaurant in Pattaya Schwarz Rot Gold dekoriert. Wer Glück hat, wird vom deutschen Botschafter zum Empfang eingeladen. Als Pfarrer habe ich dieses Glück auch wieder in Neu-Delhi gehabt. Der Empfang war in dem weitläufigen Garten der Residenz geplant. Stehtische luden ein, sich in kleinen Gruppen einzufinden und sich kennenzulernen oder Bekannte zu treffen, verwöhnt von Bediensteten, die Getränke und Häppchen reichten. Von der Bühne spielte eine Sitar-Band indische Popmusik. Auf der elektronischen Rückwand das Brandenburger Tor.

Doch plötzlich war die Mondsichel verschwunden, die ich vor dem Empfang am Himmel entdeckte. Heftiges Wetterleuchten und erste Tropfen vom Himmel waren Vorboten für das völlig Unerwartete im Oktober: Bald ergoss sich zwei Stunden lang ein heftiger Tropenschauer auf das Gelände. Wir flüchteten unter die weiten Vordächer der Residenz. In der Enge gab es dennoch das ein oder andere nette Gespräch. Irgendwann zog es mich in den großen Saal der Residenz und kam gerade noch rechtzeitig, wie Botschafter Langner seine Rede hielt, einen Toast auf den indischen Präsidenten ausrief und der Vertreter der indischen Regierung in seiner Rede auf die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Indien hinwies. Was in dem Chaos vergessen wurde: Der Toast auf unseren Präsidenten und die beiden Nationalhymnen. Schade, dass sie ins Wasser fallen mussten. Es ist für mich immer ein erhebender Augenblick, unser Deutschlandlied mitzusingen. Da spüre ich, wo ich hingehöre, gleich, wo ich gerade lebe: Ich bin Deutscher.

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