Lehre uns bedenken …

… dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Psalm 90,12

Hast Du schon mal daran gedacht, dass Dein Leben einmal ein Ende hat?
An meinem 30. Geburtstag wurde mir bewusst, dass ich in weiteren 30 Jahren an das Ende meiner beruflichen Karriere komme. Jetzt, als Siebzigjähriger bin ich dankbar, dass ich immer noch in meinem Beruf als Geistlicher arbeiten darf. Dank der EKD, die Beauftragungen von überschaubaren zehn Monaten in Auslandsgemeinden vergibt. Dank an Gott, der mir die Gesundheit und die geistige Beweglichkeit dazu schenkt. Doch was ist in 20 Jahren, wenn ich Neunzig bin? Werde ich überhaupt so alt?

Hilfreich angesichts dieser Fragen ist, dass wir im November, am Ende des Kirchenjahres an unser Lebensende erinnert werden, an das Ende unserer Welt und an das, was danach kommt. Diese Mahnung will nicht Angst einjagen. Sie will uns klug, verständig, weise machen. Unser Leben ist kostbar und endlich. Es ist entscheidend, wie wir mit ihm umgehen.

Morgens bei Sonnenaufgang nehme ich den Tag dankbar an, beziehe täglich wechselnd Menschen in mein Gebet ein und bitte um Gottes Geleit für den Tag. Manchmal – am ehesten im Flugzeug – mache ich mir bewusst, dass dieser Tag mein letzter sein kann. Doch dann spüre ich: Ich bin bereit. Warum? Aus drei Gründen:

+ Mein Leben und mein Beruf, das Weitergeben von Gottes Liebe in Wort und Tat erfüllen mich.
+ Mir ist bewusst: Ich mache Fehler und tue anderen Menschen weh – immer wieder. Doch ich lebe auch von der Vergebung. Mir tut es gut, dass ich mit den Geschädigten einen neuen Anfang machen kann. Denn Gott macht mit uns einen neuen Anfang, wenn wir ihn darum bitten.
+ Und schließlich: Was ist, wenn meine letzte Stunde geschlagen hat? Wohin geht es dann? Komme ich denn aus dem Nichts? Nein. Ich komme aus der liebenden Verbindung zweier Menschen, die meine Eltern waren. Sollte ich dann durch den Tod in einem Nichts verschwinden, wenn mein Leib im Sarg oder meine Asche in der Urne ruht?

Wenn Liebe am Beginn meines Lebens die entscheidende Rolle spielte, warum dann nicht auch an meinem Lebensende? Ich drücke es so aus: Auch im Tode bleibe ich geborgen in Gottes Liebe. Im NT (1. Johannesbrief 4,16) lesen wir: Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

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